
AI-Security-Report 2026: Zwischen Bedrohung und Stillstand
Zusammenfassung
- KI-gestützte Cyberangriffe werden von der großen Mehrheit der Unternehmen als ernstes Risiko wahrgenommen
- Der Einsatz von KI in der Cybersicherheit entwickelt sich jedoch nur langsam weiter (2024 → 2026); KI-gestützte Sicherheit hat in vielen Organisationen noch keine hohe Priorität
- Die größte Herausforderung liegt nicht im Erkennen der Bedrohung, sondern in der konsequenten Umsetzung
- Unternehmen fokussieren sich noch auf vereinzelte operative Use Cases statt auf eine strategische Integration
Die Bedrohung ist klar – die Reaktion nicht
Künstliche Intelligenz verändert die Cybersicherheitslage spürbar. Der aktuelle AI-Security-Report 2026 von Hornetsecurity by Proofpoint zeigt, dass Unternehmen vor allem KI-gestützte Phishing-Angriffe, Deepfakes und Angriffe auf die E-Mail-Kommunikation als relevante Bedrohungen wahrnehmen.
Die gesteigerte Gefahrenlage durch KI wird damit von der großen Mehrheit der befragten Entscheider erkannt. Gleichzeitig spiegelt die Studie ein klares Muster wider: Zwischen der Wahrnehmung der Risiken und einer konkreten Umsetzung von Schutzmaßnahmen besteht eine erhebliche Lücke.
Unternehmen erkennen die Bedrohung durch KI – handeln aber oft nicht entsprechend.
KI-Nutzung: Fortschritt mit wenig Dynamik

Die Nutzung von KI in der Cybersicherheit entwickelt sich nur langsam weiter und bleibt im Vergleich zu 2024 insgesamt verhalten. Während ein Teil der Unternehmen KI bereits gezielt einsetzt und etwa zur E-Mail-Filterung oder zur Erkennung von Phishing-Angriffen nutzt, ist ihr Einsatz in vielen Organisationen noch unklar oder fehlt vollständig.
Im Vergleich zur Erhebung aus dem Jahr 2024 zeichnet sich damit eher ein Bild der Stagnation als des Aufbruchs ab.
Daniel Hofmann, CEO von Hornetsecurity by Proofpoint, erklärt:
„Viele Unternehmen haben begonnen, KI in einzelnen Sicherheitsbereichen zu testen. Was häufig fehlt, ist der Schritt von punktuellen Anwendungen hin zu einer durchgängigen Integration von KI-gestützten Funktionen in die Sicherheitsarchitektur. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob KI tatsächlich Wirkung entfalten kann – sowohl im Arbeitsalltag, wo Angriffe schwerer zu erkennen sind, als auch in der Detection, wo die Priorisierung und Einordnung von Vorfällen zunehmend komplexer wird.“
Bedrohungslage: Konkrete Risiken, begrenzte Einordnung

Die größten Sorgen der Entscheider sind klar zu erkennen: KI-gestützte Phishing-Angriffe, Deepfakes und Angriffe auf die E-Mail-Kommunikation stehen im Fokus. Die Bedrohung durch KI wird für sie damit vor allem in konkreten Angriffsszenarien sichtbar, insbesondere in den Bereichen, die in ihrem Unternehmen für die tägliche Zusammenarbeit und Kommunikation zentral sind.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass lediglich ein gutes Viertel der Entscheider überhaupt annehmen, dass Sicherheitsbedrohungen durch KI entweder gemindert oder verschärft werden können. Ein weiteres Drittel erwartet hingegen entweder eine eindeutige Zuspitzung oder eine Entspannung der Entwicklung. Vier von zehn Entscheidern sehen durch KI keine Veränderungen oder meinen, dazu nichts zu wissen.

„Die Risiken von KI sind für viele Entscheider inzwischen greifbar geworden, zum Beispiel durch konkrete Szenarien wie Phishing oder Deepfakes. Was jedoch oft fehlt, ist die Übersetzung dieser Bedrohungen in die eigene Organisation,“ so Hofmann weiter. „Wo entstehen echte Verwundbarkeiten, welche Prozesse sind tatsächlich betroffen – und wie wirken sich diese Angriffe konkret im Arbeitsalltag und in der Sicherheitsüberwachung aus? Genau hier zeigt sich die Lücke zwischen Wahrnehmung und wirksamer Abwehr.“
Priorisierung: Das eigentliche Nadelöhr

Trotz wachsender Sorge vor KI-gestützten Angriffen hat das Thema in vielen Unternehmen keine entsprechend hohe Priorität. Nur ein Teil der befragten Führungskräfte misst KI-gestützter Cybersicherheit derzeit höchste Bedeutung bei, während für die Mehrheit das Thema auf mittlerer Ebene verharrt oder nicht klar eingeordnet werden kann (keine bis unbekannte Priorität).
Damit entsteht ein zentrales Spannungsfeld: Die Bedrohung wird erkannt, aber nicht konsequent in strategische Entscheidungen übersetzt. Zentrale Maßnahmen wie die Einführung von KI-gestützten Verteidigungslösungen der nächsten Generation oder von Programmen zur Stärkung des Bewusstseins für Cybersicherheit bleiben aus oder sind nur unzureichend umgesetzt.
Dr. Yvonne Bernard, CTO bei Hornetsecurity by Proofpoint, folgert:
„KI-Sicherheit wird häufig als Einzelthema betrachtet – tatsächlich verändert sie aber die Angriffslogik grundlegend. Angreifer können heute Inhalte automatisiert generieren, Angriffe dynamisch anpassen und in kurzer Zeit massiv skalieren. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis von Aufwand zu Wirkung, mit direkten Auswirkungen auf zwei Ebenen: Im Arbeitsalltag werden Mitarbeitende zunehmend mit täuschend echten Inhalten konfrontiert, während gleichzeitig in Security Operations Centern die Erkennung und Priorisierung von Vorfällen deutlich anspruchsvoller wird.“
Drei Ergebnisse, ein Muster
Die Ergebnisse des AI-Security-Reports 2026 zeigen ein konsistentes Bild: Unternehmen nehmen die Bedrohung durch KI wahr und nutzen KI in ersten Anwendungsfällen, verankern sie jedoch noch nicht systematisch in ihrer Sicherheitsstrategie.
Die Lücke entsteht damit nicht zwischen Technologie und Anwendung, sondern zwischen Erkenntnis und Umsetzung.
Warum Unternehmen nicht vorankommen
Dass sich diese Lücke nur langsam schließt, hat mehrere Ursachen. Die zentrale Bruchstelle dabei: In vielen Organisationen fehlt weiterhin ein klares Verständnis dafür, welche Rolle KI im eigenen Sicherheitsrahmen bereits spielt oder künftig spielen sollte. Darunter fällt auch eine lückenhafte Transparenz darüber, wo und in welchem Umfang KI tatsächlich bereits im Unternehmen eingesetzt wird.
Auffällig ist zudem, dass rund jedes fünfte Unternehmen den Einsatz von KI in der Cybersicherheit weitgehend an externe Dienstleister delegiert. Damit wird ein zentraler Teil der operativen Auseinandersetzung mit KI in der Cybersicherheit nach außen verlagert. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie nicht nur auf die Fähigkeiten ihrer Partner angewiesen sind, sondern auch deren Einsatz von KI besser verstehen und bewerten müssen – etwa im Hinblick auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Reaktionsfähigkeit.
Alexander Spaller, Head of Sales DACH bei Hornetsecurity by Proofpoint, weiß, welche Aufgabe hieraus für IT-Partner resultiert:
„Dienstleister müssen nicht nur ausgereifte und wirkungsstarke Technologien bereitstellen, sondern mehr denn je auch Transparenz darüber gewährleisten, wie KI in den von ihnen angebotenen Lösungen zur Bedrohungserkennung und -abwehr eingesetzt wird. Bedenkt man, dass KI in vielen Fällen bislang noch als zusätzliches Tool betrachtet wird und nicht als integraler Bestandteil moderner Sicherheitskonzepte, ergibt sich daraus eine erweiterte Rolle für die Partner: Sie müssen stärker aufklären, einordnen und in jeweilige Kontexte übersetzen – also Unternehmen dabei unterstützen, KI-getriebene Lösung nicht separat zu betrachten, sondern sinnvoll in ihre bestehenden Sicherheitsarchitekturen zu integrieren.“
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Um die Lücke zwischen Wahrnehmung und Umsetzung zu schließen, sind folgende Schritte notwendig.
- Transparenz schaffen
Unternehmen müssen zunächst Klarheit darüber gewinnen, wo KI bereits eingesetzt wird und wo nicht. Ohne einen belastbaren Überblick über bestehende Tools, Prozesse und Verantwortlichkeiten bleibt jede Weiterentwicklung unscharf. - Kritische Angriffsflächen priorisieren
Zentrale Bereiche wie E-Mail, Identitäten und Kollaborationsplattformen sollten gezielt in den Fokus rücken. Hier konzentrieren sich viele der aktuell relevantesten Angriffsszenarien. - Operative Anwendungsfälle gezielt ausbauen
Unternehmen sollten konkrete Use Cases im Alltag stärken – etwa in der Erkennung und Abwehr von Angriffen. Entscheidend ist, dass KI-gestützte Lösungen dort eingesetzt werden, wo sie unmittelbar zur Verbesserung der Sicherheitslage beitragen. - KI systematisch in die Sicherheitsarchitektur integrieren
KI darf nicht als isoliertes Tool betrachtet werden. Sie muss Bestandteil der gesamten Sicherheitsarchitektur werden. Fragmentierte Ansätze stoßen angesichts komplexerer Bedrohungslagen zunehmend an ihre Grenzen. Gefragt sind integrierte und konsistente Sicherheitskonzepte. - Komplexität reduzieren und Kompetenzen stärken
Die historisch gewachsene Fragmentierung vieler Sicherheitslandschaften erschwert Transparenz und Steuerung. Unternehmen sollten daher Sicherheitsfunktionen stärker konsolidieren und gleichzeitig das Verständnis innerhalb der Organisation ausbauen, um neue Bedrohungen besser einordnen zu können.
Fazit: KI-Sicherheit entscheidet sich in der Umsetzung
Künstliche Intelligenz ist längst Teil der Cybersicherheitsrealität – auf Seiten der Angreifer ebenso wie in Abwehrmechanismen. Die zentrale Herausforderung besteht heute nicht mehr darin, die Relevanz von KI zu erkennen, sondern darin, sie konsequent in wirksame Sicherheitsstrategien zu überführen.
Daniel Hofmann resümiert:
„Die Frage ist nicht mehr, ob Unternehmen KI zur Stärkung ihrer Cybersicherheit einsetzen sollten, sondern ob sie sie bereits dort einsetzen, wo sie den größten Unterschied macht. Ihr Fokus sollte nicht auf der isolierten Anwendung von KI verbleiben, sondern muss darauf gerichtet werden, sie konsequent in wirksame Sicherheitsstrukturen zu integrieren. Dies wird in den kommenden Jahren darüber entscheiden, wie widerstandsfähig Organisationen gegenüber neuen Angriffsszenarien sind.“
Methodik der Studie
Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum vom 03. bis 11.03.2026 insgesamt 517 Unternehmensentscheider befragt. Die Erhebung wurde quotiert und die Ergebnisse gewichtet. Die Befragten setzen sich repräsentativ nach Beschäftigtenanteil pro Unternehmensgröße, nach Geschlecht und Altersgruppen von Unternehmensentscheidern, nach sechs NACE-Wirtschaftszweigen sowie nach Nielsen-Regionsverteilung von Unternehmen zusammen.