Datenschutz – der Wind dreht sich

Datenschutz – der Wind dreht sich

Es war ein denkwürdiger Auftritt von Mark Zuckerberg vor dem amerikanischen Senatsausschuss: Der Chef von Facebook musste zum Datenskandal rund um sein soziales Netzwerk Rede und Antwort stehen. Dabei wurde er fünf Stunden lang unter anderem dazu befragt, wie es sein kann, dass ein externes Unternehmen auf die persönlichen Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern zugreifen konnte.

Die Technologieriesen aus dem Silicon Valley sind durch die von ihnen gesammelten Daten ihrer Nutzer sehr mächtig geworden. Werbetreibende kommen heutzutage um Google, Facebook und Co. kaum noch herum, wenn sie sich und ihre Produkte vermarkten möchten. Gleichzeitig lassen sich diese Daten nutzen, um Meinungen zu beeinflussen, Stimmungen zu manipulieren und öffentlich diskutierte Themen zu bestimmen. Umso wichtiger sollte es diesen Werbeplattformen sein, sinnvoll, bewusst und sensibel mit den Nutzerdaten umzugehen. Das jedoch ist ganz offensichtlich nicht der Fall.

Hornetsecurity News


Bleiben Sie informiert

Melden Sie sich für die Hornetsecurity News an, um aktuelle Informationen aus dem Bereich Cloud Security zu erhalten.

Bislang brauchten die großen Tech-Konzerne eine übergroße Regulierung von Seiten der US-Regierung nicht zu fürchten. Im Gegenteil: Sie setzten quasi den Standard, wie die Handhabe von persönlichen Daten und der Zugriff darauf von Dritten sein sollten. Strikte Datenschutzregeln, wie sie in Europa und noch mehr in Deutschland gelten – z.B. die im Mai in Kraft tretende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) – wurden eher als hinderlich wahrgenommen. Mittlerweile scheint jedoch selbst die amerikanische Legislative aufzuwachen und stellt fest, dass die Dinge etwas aus dem Ruder gelaufen sind.

In einer Telefonkonferenz räumte Zuckerberg ein, dass die DSGVO und andere Regulierungen „very positive“ sind und „we intend to make all the same controls available everywhere, not just in Europe“. (Quelle) Der Plan sei, sich weltweit an die Datenschutzregeln zu halten und nicht nur einige Einstellungen anzupassen.

Damit akzeptiert Facebook de facto die europäische Datenschutzrichtline als Standard – ein fundamentaler Schwenk in der Firmenphilosophie. Sollte Facebook diese Ankündigung tatsächlich in die Praxis umsetzen, wären damit die anderen großen Technologiekonzerne in Zugzwang. Auch US-Senatoren deuteten an, Google und Co. stärker an die Kandarre zu nehmen: „In the past, many of my colleagues on both sides of the aisle have been willing to defer to tech companies’ efforts to regulate themselves. But this may be changing”. (Quelle)

Es scheint, als wäre der EU mit der Datenschutzgrundverordnung etwas gelungen, was noch vor Kurzem undenkbar schien: Ein europäisches Gesetz, das weit über die Grenzen der EU hinaus Wirkung entfaltet.

Die Zeiten des laxen Umgangs mit Nutzerdaten dürften daher bald der Vergangenheit angehören.

Verwandte Beiträge zum Thema Datenschutz: